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Francesco und die Gans – Karlsruhe in den 1960ern

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  Francesco und die Gans – Als mein Vater Karlsruhe auf seine Art kennenlernte Es war ein schöner Frühlingstag. Die Sonne schien, die Luft roch nach frischem Gras, und mein Vater Francesco schlenderte durch Karlsruhe – entspannt, neugierig, ein bisschen heimwehkrank. Dann sah er die Gans. Weiß. Fett. Nur ein paar Meter entfernt. Und völlig ahnungslos. Was in diesem Moment in meinem Vater vorging, lässt sich eigentlich ganz einfach erklären: Er war im Süden aufgewachsen. In einer Zeit, in der man sich sein Essen noch verdienen musste – im Wortsinne. Eine fette Gans auf der Wiese war für ihn kein Stadtbild. Das war ein Abendessen. Vom Spaziergänger zum Jäger – in drei Sekunden Francesco hatte in den ersten Tagen in Karlsruhe schon einiges erlebt. Die Arbeit in der Fabrik hatte er schnell gefunden – die deutschen Betriebe suchten händeringend nach Arbeitern, und er war kräftig, fleißig und hatte keine Angst vor harter Arbeit. Aus Montescaglioso (Matera) war er über Umwege nach K...

Spaghetti con Carciofi: Spaghetti mit Artischocken a la Tante Lina

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  Spaghetti con Carciofi: Spaghetti mit Artischocken a la Tante Lina  Einleitung: Frühling aus Montescaglioso auf dem Teller Heute Morgen wache ich auf, der erste Blick geht automatisch auf mein Handy. Einige Nachrichten sind schon da – private Grüße, Reservierungen für den Abend, kleine Geschichten aus dem Alltag. Besonders spannend: eine Nachricht von Tante Lina aus Montescaglioso , die mir ein Bild ihrer Pfanne mit frisch frittierten Artischocken schickt. „Spaghetti con carciofi in bianco, di lusso“, schreibt sie, was so viel heißt wie Spaghetti mit Artischocken, ganz ohne Tomatensauce, einfach außergewöhnlich lecker. Dann, halb spitzbübisch: „Und du? Was isst du heute?“ – wohlwissend, dass ich gerade auf Diät bin. Was folgt, ist eine kleine, bodenständige Lektion in italienischer Kochkunst: frisch geerntete Artischocken, Olivenöl, Knoblauch, Petersilie und ein guter Schuss Pfeffer – einfach, aber intensiv im Geschmack. Die Kunst der Spaghetti con Carciofi Frische Z...

Olivenblätter - eine Pasta, die man nicht jeden Tag bekommt

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  Foglie di Ulivo - Olivenblätter - eine Pasta, die man nicht jeden Tag bekommt Italien hat über 350 offiziell dokumentierte Pastaformen. Viele kennt man: Spaghetti, Penne, Fusilli. Andere begegnen einem erst zufällig – etwa bei einem Familienbesuch, in einer kleinen Trattoria oder durch ein Geschenk aus dem Süden Italiens. So ging es mir vor kurzem mit Foglie di Ulivo , einer Pastaform, die ich bis dahin noch nie gesehen hatte. Meine Tante Maria aus Montescaglioso, einem kleinen Ort in der Region Basilicata , hatte sie uns geschickt. Montescaglioso liegt unweit der berühmten Felsenstadt Matera , mitten in der eher unbekannten Region Basilicata . Beim ersten Blick in die Packung war sofort klar: Diese Pasta ist anders. Klein, leicht gebogen und mit einer Struktur, die tatsächlich an ein Olivenblatt erinnert. Und genau daher kommt auch der Name. Foglie di Ulivo – Pasta in Form von Olivenblättern Foglie di Ulivo bedeutet wörtlich übersetzt: Olivenblätter . Die Pastaform ahmt ...

Montescaglioso: Outdoor-Aktivitäten für Entdecker und Naturliebhaber

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  Montescaglioso: Outdoor-Aktivitäten für Entdecker und Naturliebhaber Montescaglioso liegt im Herzen der Basilikata , einer Region, die oft im Schatten von Matera steht. Und das ist irgendwie schade, denn gerade Outdoor-Fans finden hier ein kleines Paradies. Wer denkt, dass Outdoor-Aktivitäten in Süditalien nur Strand und Sonne bedeuten, irrt gewaltig. Montescaglioso bietet eine überraschende Vielfalt – von Wandern über Mountainbiking bis zu Reitausflügen durch Olivenhaine und Weinberge. Wandern rund um Montescaglioso Wenn man die Hügel rund um Montescaglioso betrachtet, sieht man sofort: das ist echtes Wanderterrain. Die Landschaft ist geprägt von sanften Hügeln, kleinen Wäldchen und Olivenhainen, die sich bis zum Horizont erstrecken. Die Routen sind abwechslungsreich. Wer ein bisschen Kondition hat, startet am besten bei der Chiesa di San Michele Arcangelo , von dort aus führen gut markierte Pfade in Richtung der Monte Serico. Die Touren sind nicht spektakulär hoch, aber g...

Kindheit in Montescaglioso: Francesco, ein Junge zwischen Feldern, Hunger und Lebensfreude

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  Kindheit in Montescaglioso: Francesco, ein Junge zwischen Feldern, Hunger und Lebensfreude Mein Vati heißt Francesco. Geboren wurde er 1943, in Montescaglioso, einem kleinen Ort, nicht weit von Matera , in der Region Basilikata in Süditalien. Wer das Gebiet nicht kennt: Basilikata zählt historisch zu den ärmsten Regionen Italiens. Noch bis in die 1950er Jahre hinein war der Großteil der Menschen dort Bauern oder Tagelöhner, oft abhängig von Landbesitzern, die große Ländereien wie kleine Königreiche verwalteten. Soziale Sicherung? Fehlanzeige. Fließendes Warmwasser? Ebenso. Man arbeitete, um zu essen. Und manchmal reichte es trotzdem nicht. Francesco Viggiani erzählt, wie es damals war. Francesco wuchs in einer dieser Familien auf. Mit den anderen Geschwistern, Donato, Mario und Lina, musste er sich alles teilen. Seine Mutter, meine Oma, war eine Frau, die wenig hatte und dennoch alles gab. Sein Vater war im Krieg. Erst an der Front irgendwo in Albanien, später in Gefangenschaf...

Rauchen im Nachkriegsitalien: Mein Vater erzählt von Zigaretten, Armut und Alltag in den 1950ern

  Rauchen im Nachkriegsitalien: Mein Vater erzählt von Zigaretten, Armut und Alltag in den 1950ern Mein Vater Francesco ist Jahrgang 1943. Aufgewachsen in Montescaglioso, einem kleinen Ort im Süden Italiens, erzählt er mir immer wieder Geschichten aus jener Zeit – ehrlich, ungeschönt, manchmal mit einem Schmunzeln, manchmal mit diesem Blick, der sagt: „So war das eben.“ Er war noch ein Kind, konnte weder lesen noch schreiben, als er anfing, vor den Bars die Kippenreste aufzusammeln. Die guten Enden, die noch ein bisschen Tabak hatten. Daraus drehten er und seine Gang sich seine eigenen Zigaretten – mit Zeitungspapier, manchmal mit dünnen Blättern, die er irgendwo fand. Heute, viele Jahrzehnte später, erzählt er uns, wie das damals wirklich war – mit den Zigaretten in Italien, kurz nach dem Krieg. Keine Nostalgie, sondern echte Erinnerung.  -->  Zigarettenstummel und Kindheitsträume: wie ich mit 7 anfing zu rauchen. Wiederaufbau, Wohlstand und eine neue „Rauchkultur“ ...