Francesco und die Gans – Karlsruhe in den 1960ern
Francesco und die Gans – Als mein Vater Karlsruhe auf seine Art kennenlernte Es war ein schöner Frühlingstag. Die Sonne schien, die Luft roch nach frischem Gras, und mein Vater Francesco schlenderte durch Karlsruhe – entspannt, neugierig, ein bisschen heimwehkrank. Dann sah er die Gans. Weiß. Fett. Nur ein paar Meter entfernt. Und völlig ahnungslos. Was in diesem Moment in meinem Vater vorging, lässt sich eigentlich ganz einfach erklären: Er war im Süden aufgewachsen. In einer Zeit, in der man sich sein Essen noch verdienen musste – im Wortsinne. Eine fette Gans auf der Wiese war für ihn kein Stadtbild. Das war ein Abendessen. Vom Spaziergänger zum Jäger – in drei Sekunden Francesco hatte in den ersten Tagen in Karlsruhe schon einiges erlebt. Die Arbeit in der Fabrik hatte er schnell gefunden – die deutschen Betriebe suchten händeringend nach Arbeitern, und er war kräftig, fleißig und hatte keine Angst vor harter Arbeit. Aus Montescaglioso (Matera) war er über Umwege nach K...